Mit einem Wimpernschlag änderte sich mein Leben komplett

Teil 2 von 4. Mit diesem Blog möchte ich Euch, liebe Leserinnen und Leser, einen Einblick in meine Lebensgeschichte geben, und wie ich den Weg zurück ins Arbeitsleben gefunden habe.

Nach einem langen Arbeitstag (vormittags in der Apotheke und nachmittags als selbständige Kosmetikerin), wollte ich anschliessend die kaufmännische Abendschule besuchen. Unser Lehrer hatte sich aber am Mittag krankheitsbedingt abgemeldet. Somit hatte ich für diesen Tag ausnahmsweise früher Feierabend. Deshalb fuhr ich an diesem Sommerabend mit meinem Roller von St. Gallen aus über die Kantonsstrasse Richtung Engelburg nach Hause. An das Auto, welches mir den Vorrang nahm, kann ich mich nicht mehr erinnern.

Drei Wochen später erwachte ich in einem unbekannten Bett mit vielen elektronischen Geräten um mich herum. Ich war nach dem Unfall im Spital für 3 Wochen im Koma auf der Intensivstation. Meine Freunde, Familie und vor allem mein Mami hatten riesige Sorgen um mich. Sie wussten zu diesem Zeitpunkt nicht, ob ich sie jemals wieder erkennen würde, und wann ich aus dem Koma wieder aufwache. Und da ich auch nach dem Aufwachen nicht sprechen konnte, war die Kommunikation schwierig. Aber mein Mami und meine Freunde haben mir erzählt, dass ich sie oft angelacht habe und so ging es auch ihnen ein wenig besser. Sie hatten einen Teil von mir zurück, die fröhliche Jana war also noch da.

Jana

Sie hatten einen Teil von mir zurück, die fröhliche Jana war also noch da.


An den Unfall selbst und die Zeit danach im Koma kann ich mich nicht erinnern. Den Erzählungen nach erlitt ich einen schweren Verkehrsunfall mit dem Roller. Ein mir entgegenkommender Autofahrer wollte auf der Strasse eine Kehrwende machen. Dies passierte aber genau auf meiner Höhe und er schnitt mir den Weg ab. Ich fuhr frontal in das Auto und es schleuderte mich im hohen Bogen über die Motorhaube. Dabei verlor ich meinen Helm und stürzte mit dem Kopf direkt auf den Asphalt.

Als Folge erlitt ich ein schweres Schädel-Hirn-Trauma, hatte einen Splitterbruch im Oberschenkel, Knochenbrüche im Handgelenk, einen gebrochenen Unter- und Oberkiefer. Der beschädigte Zahn war noch das kleinste Problem.


Nach dem Aufwachen aus dem Koma war ich drei weitere Wochen im Kantonsspital St.Gallen. Durch die halbseitige Lähmung war ich im Rollstuhl und das Sprechen musste ich komplett neu lernen, z.B. das gesamte ABC. Mein Alltag war voll mit Therapien und Untersuchen. Sachen, die vorher einfach selbstverständlich waren, musste ich mit wahnsinnig viel Geduld und Willenskraft wieder neu lernen.

Früher war immer alles zackig. Mit einem Wimpernschlag änderte sich mein Leben komplett. Traurig war ich aber die ganze Zeit nie, auch sah ich keine Schuld im Unfallverursacher. Es war einfach ein Schicksalsschlag, der mich in gewisser Hinsicht wieder auf Feld 1 stellte.

Um diese Zeit meistern zu können, musste ich mich viel in Geduld üben...

...weiter geht es nächsten Freitag am 15.12.2017