Endlich wieder selbständig

Teil 4 von 4. Mit diesem Blog möchte ich Euch, liebe Leserinnen und Leser, einen Einblick in meine Lebensgeschichte geben, und wie ich den Weg zurück ins Arbeitsleben gefunden habe.

Nach dem zehnmonatigen Aufenthalt in Zihlschlacht konnte ich wieder nach Hause zu meinem Mami. Meine Therapien verlagerten sich ambulant nach St.Gallen. Ich fuhr mit dem Postauto viermal pro Woche von Engelburg nach St.Gallen. Ich hatte unterschiedliche Therapien im Silberturm und zusätzlich hatte ich meine erste Arbeitsbeschäftigung im Quimby Huus St.Gallen im Nähatelier.

Nach sechs Monaten, kurz vor Weihnachten 2009, wollte ich einen Schritt weiter in die Selbständigkeit gehen. Nach stundenlangem forschen im Internet, fand ich eine passende 3 1/2-Zimmer Dachwohnung mit Lift in Gossau. Im Gegensatz zu Engelburg war das Terrain flacher und die ÖV-Verbindung war unmittelbar vor dem Haus. Zusätzlich wechselte ich meine Arbeitsstelle. Bei meinem alten Arbeitgeber Klinik Stephanshorn konnte ich über die Unfallversicherung in der Administration für zwei halbe Tage pro Woche unentgeltlich arbeiten.

Zurück in das Arbeitsleben

Zwei Jahre danach wechselte ich zur Firma Stalder Schwimmtechnik GmbH in Flawil. Dort konnte ich auch zwei halbe Tage pro Woche im Büro tätig sein.

Durch meine Kollegin Fabienne wurde ich auf das Angebot Cavere – Begleitetes Arbeiten – aufmerksam. Bei meinem Job Coach Kurt Sieber von Cavere konnte ich meine Berufswünsche und -ziele besprechen. Via Personalvermittlung wurden wir bei der Firma Eaton Automation AG, St.Gallen in der Buchhaltung fündig. Seit 4 Jahren habe ich dort nun schon eine Anstellung. Meine Aufgaben bestehen darin Rechnungen zu bearbeiten und Formulare abzulegen.

Ganz besonders gefällt mir auch die Stelle im Pflegeheim St.Otmar. Zwei halbe Tage arbeite ich dort im Atelier und arbeite zusammen mit den Bewohnern gestalterisch.

Damit ich im Berufsleben meine Kreativität einbringen konnte, besuchte ich einen vierwöchigen Computerkurs mit Photoshop, Illustrator und InDesign. Mit meinem Job Coach zusammen machte ich mich stark, um in der Grafikbranche Fuss zu fassen, was durch meine Voraussetzungen kein leichtes Unterfangen war.

Die Firma Amagoo ermöglichte mir einen Arbeitsplatz im Grafikbereich. Über den Personalverleih Cavere kann ich nun seit anfangs 2015 für zwei halbe Tage pro Woche kreativ tätig sein. Meine Traumbranche habe ich somit gefunden. Die ersten zwei Jahre durfte ich praktische Erfahrungen im grafischen Bereich sammeln und erlernen. Durch einen Schicksalsschlag der Lehrlingsbetreuerin hat sich auch mein Arbeitsplatz verändert. Einmal pro Woche arbeite ich nun bis auf weiteres in der Cloud Abteilung und helfe bei verschiedenen Projekten mit.

Jana

Das hier ist mein Arbeitsplatz bei Amagoo. Ich arbeite in einem Grossraumbüro und fühle mich sehr wohl. Amagoo ist ein kreatives Unternehmen, das gefällt mir!

Alltägliche Herausforderungen

Auch Zuhause mache ich kleine Fortschritte auf dem Weg zur Selbständigkeit. Ich brauche für manches einfach länger und zum Teil benötige ich auch verschiedene Hilfsmittel. Jedoch kann ich wieder eigenständig einkaufen, kochen, putzen und viele andere alltägliche Tätigkeiten ausführen. Um mobiler und flexibler zu sein, habe ich ein eigenes Auto, das meine körperlichen Einschränkungen berücksichtigt und entsprechend umgebaut wurde. Dennoch gibt es einzelne Schwierigkeiten, wie z.B. die Haare zusammenbinden, das Flaschen öffnen oder das Essen einhändig schneiden.

Einhändiges Fahren erlaubt :-)

Da ich ja bis heute meinen rechten Arm und meine rechte Hand nicht einsetzen kann, habe ich die Lizenz einhändig zu fahren :-). Das funktioniert ganz einfach: es gibt einen Hebel, der alle nötigen Elemente hat: Scheibenwischer, Blinken und natürlich die Hupe. Aber das wichtigste natürlich: der Hebel ist auch mein Steuerrad. Das heisst, ich halte das Steuerrad nur an diesem speziellen Hebel und kurble damit rundherum, fast so wie es ein Lastwagenfahrer macht…

Mein Automat hat 3 Pedale

Auch mein rechtes Bein spüre ich bis heute nur wenig und kann nur dank einer Schiene, die mein Bein fixiert, laufen. Somit kann ich natürlich nicht wie jeder mit dem rechten Fuss auf das Gaspedal stehen. Aus diesem Grund wurde ein weiteres Pedal auf der linken Seite eingebaut.

Aber natürlich kann auch jeder andere mit meinem Auto fahren, das originale Gaspedal auf der rechten Seite ist voll betriebsfähig. Mit einem Umschaltknopf lassen sich die Pedale umschalten.


Meine Bilder

Als grosse Passion habe ich das kreative Gestalten entdeckt. In meiner Wohnung habe ich ein Malatelier eingerichtet, wo ich schon unzählige Bilder oder Karten gemalt und kreiert habe. Bei verschiedenen Vernissagen und Adventsmärkten fanden meine Bilder und Kreativprodukte einen Käufer. Des Weiteren setze ich auch gerne Aufträge nach Wahl bzw. Wunsch um.

Mit meiner jetzigen Situation bin ich sehr glücklich. Ich kann wieder selbständig leben und wohnen, gehe einer vielseitigen Arbeit nach, fühle mich wohl bei den Arbeitskollegen und darf Erfolge bei meiner Passion, dem Malen, verzeichnen. Ich geniesse die Freizeit mit meinem Freund, mit meinen Kollegen und meiner Familie.

Für meine Zukunft wird es mir immer wichtig sein, dass ich dankbar bin, gesund bleibe und anderen Menschen Mut machen kann. Ich möchte jeden Tag geniessen und bewusst erleben, indem ich meine Umwelt nicht ungeachtet lasse.

Liebe Leserinnen und Leser, ich hoffe, ich konnte Euch einen Einblick in meine Lebensgeschichte geben und Euch Mut machen. Manchmal kann man auch mit weniger dankbar und glücklich sein. Ich zumindest sehe das so.

An dieser Stelle möchte ich mich bei allen Personen, die mich auf meinem Lebensweg begleitet haben, bedanken. Vielen herzlichen Dank für Eure super Unterstützung! Es freut mich mit Euch weitere schöne Stunden zu erleben. Ich hab euch lieb ❤️

Ich wünsche Euch Allen schöne und frohe Weihnachten und einen guten Rutsch ins neue Jahr.

Alles Gute

Eure Jana Fässler