Vincenzo unser SWISSMAN-Finisher

Bei uns arbeiten wahrhaftig harte Kerle...

Der SWISSMAN ist ein Point-to-Point Wettkampf, welcher im Süden der Schweiz startet und über drei Alpenpässe ins Herz der Schweiz führt. Das Ziel wird nach einem Schlussanstieg am Fusse der massiven Bergkulisse von Eiger, Mönch und Jungfrau erreicht. Das Rennen ist eine extreme Herausforderung mit über 5500 Höhenmeter und verwöhnt die Beteiligten mit einer atemberaubend schönen Landschaft.

Die Organisatoren bieten auf der Lauf- und Radstrecke nur minimalen Support an. Es liegt in der Verantwortung der Supporter, ihre Athleten während des Rennens mit allem Notwendigen zu versorgen. Diese Tatsache macht den SWISSMAN nicht nur für die Athleten, sondern auch für die Supporter zur Herausforderung. Beide erleben den Anlass gemeinsam und teilen unvergessliche Erinnerungen.


Ein paar Fakten:

  • Schwimmen: 3.8km Brissago-Inseln – Ascona Lido
  • Velo: 180km Ascona (196m) – Gotthard (2106m) – Furka (2436m) – Grimsel (2165m) – Brienz (566m)
  • Laufen: 42.2km Brienz – Giessbachfälle (ca. 700m) – Wilderswil – Zweilütschinen – Grindelwald Grund (960m) – Kleine Scheidegg (2061m)
  • Gesamt: Höhenmeter 5400m

Interview mit

Vincenzo Nicosiano

Print Quality Expert/Beratung

Wie bist du auf die Idee gekommen, am SWISSMAN teilzunehmen?

Vincenzo Nicosiano – Eigentlich gar nicht. Ich wäre niemals auf die Idee gekommen, am SWISSMAN teilzunehmen. Niemals! Ich durfte zwei Jahre in Folge meinen sehr guten Freund Peter supporten. Ich kannte also die Strecke, den Ablauf, die Organisation, die Wetterkapriolen auf über 2500m und vor allem die Strapazen, geschrieben auf den Gesichtern der Athleten. An Weihnachten 2018, nach sehr viel Überzeugungsarbeit von Peter, meldeten wir uns mit der Hoffnung nicht gezogen zu werden gemeinsam an. Es gibt nämlich nur 250 Plätze zu vergeben. Diese sind sehr beliebt und sehr schnell weg. Aber es kam dann ganz anders, ich wurde als Athlet gezogen und Peter wurde mein Supporter.

Musstest du dich qualifizieren?

Vincenzo Nicosiano – Nein, es gibt eine Verlosung unter den eingeschriebenen Athleten.

Wie lange dauerte die Vorbereitungszeit?

Vincenzo Nicosiano – Ich trainiere seit ca. 48 Monaten 8 bis 12 Std./Woche alle 3 Disziplinen ohne Unterbruch. Ausnahme in den Erholungsphasen nach Wettkämpfen.

Wie hast du dich darauf vorbereitet?

Vincenzo Nicosiano – Nicht speziell auf den SWISSMAN. Ich habe 3 Wochen vorher den Ironman 70.3 in Rapperswil gefinisht und war körperlich und mental gut vorbereitet, zumindest für die Halbdistanz (Zwinkern).

Welche Disziplin ist deine Stärke/Schwäche?

Vincenzo Nicosiano – Wie bei fast 90% aller Triathleten ist das Schwimmen definitiv die grösste Schwäche. Meine Stärken liegen beim Velofahren und der Ausdauer, vor allem Bergauf.

Wie hast du dich vor dem Start gefühlt?

Vincenzo Nicosiano – Anders als erwartet, war ich extrem ruhig und sehr fokussiert.

Hattest du Schwierigkeiten unterwegs?

Vincenzo Nicosiano – Ja, bei einem Wettkampf von fast 18 Stunden kommt früher oder später der Hammer. Bei mir war’s ab Km 7 bis ca. 20 beim Joggen/Laufen. Der Magen wollte keine Nahrung oder Flüssigkeit mehr aufnehmen. Ich fühlte mich mit jedem Schritt schwächer und spürte, wie meine letzten Reserven schwindeten... Glücklicherweise erholte ich mich wieder nachdem ich an einem Check Point einen Landjäger bekommen habe. Dieser wirkte wie eine Wunderpille (Zwinkern). Ansonsten hatte ich keine grösseren Krisen und hatte meistens eine gute Laune. Ich lachte viel, auch dank der Top-Leistung meines Supporters Peter. Er konnte meine Wünsche in den Augen ablesen und reagierte immer sehr professionell.

Wie lange warst du unterwegs?

Vincenzo Nicosiano – 17 Stunden 56 Minuten.

 

Was waren die schönsten Eindrücke während dem Triathlon?

Vincenzo Nicosiano – Der Tag ist schwierig in Worte zu fassen. Ich denke, die massiven Bergkulissen, sowie die letzten 500 Höhenmeter haben mich am stärksten geprägt. Aber auch der Sonntag Morgen. Dann fand auf der kleinen Scheidegg eine Zeremonie statt, bei der die jeweils ersten drei Männer und Frauen geehrt, die Finisher-Shirts ausgegeben und die Gruppenfotos gemacht wurden. Dazu wurde auf dem Alphorn gespielt und es herrschte eine gelöste und freudige Stimmung. Von den insgesamt 250 gestarteten Athleten erreichten 199 das Ziel.

Wie hast du dich im Ziel gefühlt?

Vincenzo Nicosiano – Wie Bruce der Allmächtige (Zwinkern). Sehr dankbar, erlöst, federleicht und voller Adrenalinschübe. Diese hielten glücklicherweise über 3 Tage an!

Wie hast du dich regeneriert?

Vincenzo Nicosiano – Mit Pizza, Yoga, lockeres Schwimmen, Black Roll oder lange ausgewogene Spaziergänge mit meiner Frau Manuela und unserem Hund Elliot.

War es das erste und letzte Mal, dass du teilgenommen hast?

Vincenzo Nicosiano – Sag niemals nie… Aber nun sind meine Familie und Freunde an der Reihe. Ich möchte mehr Zeit mit ihnen verbringen. Zeit weit weg vom Triathlon-Alltag, welcher in den letzten 2 Jahren unseren Alltag stark bestimmt hat.

Was ratest du Jemandem, der sich überlegt, am SWISSMAN teilzunehmen?

Vincenzo Nicosiano – Mit kleinen Triathlons/Distanzen zu beginnen, um sich mit der Triathlon-Welt vertraut zu machen. Die muskuläre Gewöhnung an die drei Disziplinen Schwimmen, Bike und Rennen ist die grösste und schwierigste Herausforderung überhaupt. Und Geduld, sehr viel Geduld gepaart mit eisernem Willen bei jeder Witterung oder äusseren Einflüssen das Training niemals zu vernachlässigen.

Wir gratulieren Vincenzo zu dieser ausserordentlichen Leistung!